Nicht verza(r)gen!
„Möchten Sie einen Zargentisch? „Nein, ich sagte doch, einen Esstisch“. Für sein Halbwissen von Verkäufern belächelt zu werden, ist immer wieder großartig. Die schlagkräftigen Argumente fallen mir meistens erst hinterher ein.
Kurz geschämt und höflich verabschiedet, stapfte ich nach Hause und belas ich mich über Zargentische.
Es gibt unterschiedliche Arten von Zargen. Sie alle dienen dazu, die Stabilität von Tischen zu erhöhen. Die bündige Zarge passt gut zu meinem Vater. Sie potenziert die Massivität des Tisches, da die Tischplatte durch den nahtlosen Übergang optisch stärker wirkt. Bei jedem Witz, der mit einem Schlag auf den Tisch untermalt wird, hält dieser Tisch stand.
Mein Fall ist die zurückgesetzte Zarge. Sie befreit den Tisch von seiner Kompaktheit. Durch das Einrücken des „Rahmens“ beziehungsweise der Zarge wird das Gesamtbild des Tisches aufgelockert. Ich habe meinen Tisch für zukünftige Küchentreffs gefunden.

Esstisch mit zurückgesetzter Zarge aus Massivholz
Übrigens schlägt sich ein Imker bei der Ernte mit einer bis zu 30 Kilogramm schweren Honigzarge herum. Honigzargen sind Holzkisten, in denen die Waben der Bienen hängen. Aber auch bei der Schmuckherstellung bin ich auf den Begriff gestoßen. Das geschlossene Fassen eines Edelsteins in ein Schmuckstück, beschreibt man als Zargenfassung.
Bei Streichinstrumenten bilden Zargen die Seitenteile. Decke und Boden der Instrumente werden mit ihnen verleimt.
Entschieden gegen die Violine und für den Zargentisch, begebe ich mich nun zurück zum Ort der Schande. In der Hoffnung, ich treffe den Verkäufer wieder, um ihn mit meinem Zargenwissen zu plätten.
Die Berliner Freizeitlyrikerin Stefanie Kindler therapiert sich seit dem Einsturz eines selbstgebauten Hochbetts mit Texten über Möbel. „Massiv“ und „Holz“ in einem Wort zu sehen, liest sich für sie wie ein Gedicht.
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